UPDATE: Auswirkungen der Corona-Pandemie
auf das gemeindliche Leben in der Markusgemeinde

Theologische Gedanken

Meistes kommt es anders als man denkt. Diese Binsenweisheit trifft wieder einmal zu und bezüglich unserer Welt nun in so extremer Weise. Plötzlich sehen wir uns mit einer Problematik konfrontiert, die wir nicht erwartet haben. Über den ganzen Erdball verstreut bedeutet die Corona-Pandemie nicht nur Krankheit, ungewohntes Leben, Geldverlust usw., sondern für viele Menschen auch den Tod.

Auch uns als Kirche und Gemeinde treffen die Auswirkungen, nicht zuletzt deshalb, weil wir durch die notwendigen Maßnahmen nicht mehr so miteinander leben können, wie wir es als Gemeinde kennen und wie es für uns als Christen konstitutiv ist: Gemeinschaft pflegen. Gemeinschaft in Wort und Sakrament (Gottesdienst, Andacht, Kontemplation und Meditation), in Seelsorge, Gesprächen, Gruppen, Kreisen, Chören, bei Kasualien, beim Miteinander-Feiern und bei vielem mehr. Es ist nun nur in stark veränderter Form möglich, dort zu sein, wo Menschen uns brauchen, wo auch wir selbst Hilfe bekommen. Wir müssen uns also besinnen auf Glaubensformen, die möglich sind, dort wo wir leben. Die Vielfalt der Medien kann dabei helfen. Aber wir sollen dabei möglichst in der Wohnung bleiben und so wird das Wort Jesu wortwörtlich notwendig: Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten (Mt 6). 
Doch die ganze Krise zeigt uns auch und lässt uns spüren, dass wir als Kirche „in der Welt sind“, Teil von ihr in der Freude und im Leid, im Feiern und Arbeiten, mit unserem ganzen Leben. Kein Wunder, denn schon der, in dessen Geist wir unterwegs sind – im Geiste Jesu – hat sich voll auf die Welt eingelassen mit Haut und Haaren. Auch das Virus macht also vor uns nicht halt (so wie schon dereinst der Tod am Kreuz nicht Halt machte und es bis heute nicht tut), er wird auch in Brot und Wein des Abendmahls nicht unschädlich, weshalb es richtig ist, dass wir uns so verhalten wie jeder vernünftige Mensch es auch tut und die ganzen, momentan notwenigen Maßnahmen, so gut es geht, einhalten. Doch wir vertrauen auf den Gott des Lebens, hängen unser Herz an ihn. Damit glauben wir auch, dass das Virus und das, was auch immer mit uns als Folge vielleicht geschieht, nicht das letzte Wort haben, nicht über uns und unsere Welt. Wir glauben, dass das fleischgewordene Wort Gottes vor der Welt da war und auch nach ihr da sein wird. Es scheint in der Finsternis und so schwarz die auch ist, kann sie dieses Licht nicht löschen (Joh 1). Wir sind und bleiben darin aufgehoben und geborgen. Dieses Vertrauen gilt es immer wieder einzuüben. Nichts anderes meint es, wer wir sagen: "Ich glaube." Wenn die Bibel von Glauben spricht, dann meint sie eben nicht wie wir das im Deutschen gerne verwenden und damit ausdrücken, dass wir etwas nicht so genau wissen, sondern „glauben“ bedeutet zu vertrauen, heißt, sein Herz an etwas (den Dreieinigen Gott) zu hängen (lat. "credere" von "cor dare" - sein Herz geben/schenken). Deshalb konnte schon Martin Luther sehr treffend sagen: „Woran du dein Herz hängst, da ist auch dein Gott.“
Hören wir also auf die Expertinnen und Experten, die sich im Umgang mit der Corona-Pandemie am besten auskennen, hängen aber unser Herz an den dreieinigen Gott und dass er uns im Leben und im Sterben in der Hand hält.
Möge Gott Sie segnen, wo Sie auch sind.
Ihr Joachim Oesterle, Pfarrer




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